Remote Assistance: Erste virtuelle Kabineninspektion bei Airbus

Testias Remote-Assistance-Plattform nimmt einen großen Schritt auf dem Weg in Richtung Freigabe zur Nutzung für Inspektionen in der Luftfahrt.

Airbus testet derzeit die Software Remote Assistance, ein Testia-Produkt, in seinem DigIn (Digital Inspection)-Projekt. Dieses wurde ursprünglich gestartet, um bei steigenden Produktionsraten Kabineninspektionen im Rahmen der Zulassung flexibler durchführen zu können.

Durch die Covid-19-Krise bekommt dieses Projekt nun eine ganz neue Dynamik und Bedeutung.

Prüfung, Livestream, Berichte und mehr – alles in einer einzigen App

Ende Juni war Premiere bei Airbus: es fand die erste komplett „ferngesteuerte“ Kabineninspektion in Toulouse und Hamburg-Finkenwerder statt. Eine spezielle PC-Software sowie die dazugehörige Smartphone-Anwendung machte es möglich: „Remote Assistance“ von Testia, einem Airbus-Unternehmen.

Der verantwortliche Airworthiness Engineer Andreas Radtke musste für die 3,5-stündige Inspektion nicht nach Blagnac reisen, sondern konnte die Flugzeugkabine per Live-Video-Stream in seinem Büro in Hamburg beurteilen. Sein Toulouser MAP (Mise au Point)-Kollege Matthias Kressner lieferte den Live-Stream aus der A320neo und folgte mithilfe der Remote-Assistance-App den Anweisungen des 1300 Kilometer entfernt sitzenden Andreas Radtke.

Untersucht wurden unter anderem die Vollständigkeit und Zugänglichkeit von Notfall-Ausrüstung, Korrektheit und Lesbarkeit von Placards, Gangbreiten, Design-Features mit potentiellem Verletzungsrisiko für Passagiere und Personal in der Kabine, in den Lavatories, Galleys und Stowage-Compartments. Beanstandungen wurden fotografiert und direkt per App an die Kollegen weitergeleitet, die für den Cabin Inspection Report verantwortlich sind.

„Sowohl frist- als auch qualitätsgerecht und ohne Mehrkosten“

Das Team unter der Leitung von Gerard Mathieu, Head of the Airworthiness Technical Directorate, ist mit dem Ergebnis zufrieden: „So unangenehm es klingt, aber die Covid-19-bedingten Reisebeschränkungen haben dem Projekt den weiteren Schub gegeben“, bestätigt Gerard Mathieu. „Durch die App hatten wir die Möglichkeit, viele Aspekte der Kabineninspektion sowohl frist- als auch qualitätsgerecht und ohne Mehrkosten durchzuführen“. Die neue Technik hat auch weitere, handfeste Vorteile für sein Team: „Wir können die Kabineninspektion flexibler in den Endmontageprozess integrieren, wenn die Kabine komplett vollständig ist. Das kann uns Luft verschaffen in dem ansonsten sehr engen Zeitplan in der Endphase der Auslieferung“.

Unterstützung erfährt das Projekt auch durch die Europäische Behörde für Zivilluftfahrt (EASA). Sie wurde früh in das Projekt involviert und hat bereits Empfehlungen für Remote Inspection und Remote Test Witnessing herausgegeben. Als nächstes gilt es, die generelle Zustimmung der EASA für diese Arbeitsweise zu bekommen. Dann steht der Einführung der App, die sich noch in der Testphase befindet, bei Airbus nichts mehr im Wege.

Auch andere Bereiche von Airbus sind dabei, dieses Prinzip für sich zu adaptieren, zum Beispiel für First-Article-Inspection (FAI) bei Zulieferern von Sitzen.

Text & Foto: © Airbus

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